Die Nebenniere ist ein hormonbildendes Organ im Bauchraum des Hundes. Ihre Aktivität wird durch die Hypophyse gesteuert, einen Teil des Gehirns, der als „Schaltzentrale“ des Hormonsystems fungiert. Die Nebenniere besteht aus zwei Anteilen: der Nebennierenrinde und dem Nebennierenmark.
In der Nebennierenrinde werden wichtige Hormone gebildet, darunter Glukokortikoide (z. B. Cortisol), Mineralokortikoide und Androgene. Das Nebennierenmark produziert sogenannte Katecholamine. Diese Hormone beeinflussen viele Prozesse im Körper, unter anderem den Stoffwechsel, den Kreislauf, den Wasser- und Elektrolythaushalt, den Blutdruck, die Fett- und Talgproduktion sowie Entzündungsreaktionen.
Was ist Morbus Cushing?
Beim Hund ist der Hyperadrenokortizismus, auch Morbus Cushing genannt, eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen – neben dem Diabetes mellitus. Dabei produziert die Nebenniere dauerhaft zu viele Glukokortikoide, was zu typischen körperlichen Veränderungen und gesundheitlichen Problemen führt.
Meist erkranken Hunde über sechs Jahre. Bestimmte Rassen sind häufiger betroffen, darunter Pudel, Dackel, Schäferhund, Boxer sowie Retriever- und Terrier-Rassen. Katzen erkranken nur sehr selten an Morbus Cushing.
Ursachen
Es gibt verschiedene Formen des Hyperadrenokortizismus:
- In etwa 80–85 % der Fälle liegt die Ursache in einem Tumor der Hypophyse. Dieser regt die Nebenniere dauerhaft zur vermehrten Hormonproduktion an.
- In etwa 15–20 % der Fälle entsteht die Erkrankung durch einen hormonproduzierenden Tumor der Nebenniere selbst.
- Seltener kann ein iatrogener Morbus Cushing auftreten, ausgelöst durch eine langfristige oder hoch dosierte Gabe von Glukokortikoiden (z. B. Kortisonpräparate).
Symptome
Durch den dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel kommt es zu zahlreichen Veränderungen im Körper. Die Symptome entwickeln sich meist schleichend über Wochen bis Monate.
Typische Anzeichen sind:
- vermehrtes Trinken und häufiges Urinieren
- gesteigerter Appetit („Fresssucht“)
- Muskelabbau und allgemeine Schwäche
- Umverteilung der Fettdepots mit typischem „Hängebauch“
- Haut- und Fellveränderungen (z. B. Haarausfall, dünne Haut, dunklere Hautverfärbungen)
- vermehrtes Hecheln, Müdigkeit und reduzierte Belastbarkeit
Diagnose
Blut- und Urinuntersuchungen sowie eine Ultraschalluntersuchung können erste Hinweise auf Morbus Cushing liefern. Zur sicheren Diagnose sind spezielle Hormonuntersuchungen notwendig. Um festzustellen, welche Form der Erkrankung vorliegt, können weitere Tests erforderlich sein.
Therapie und Prognose
Morbus Cushing kann in den meisten Fällen medikamentell behandelt werden. Abhängig von der Ursache kommen in bestimmten Situationen auch eine Strahlentherapie oder eine chirurgische Entfernung eines Tumors in Betracht.
Die Prognose hängt unter anderem vom Alter des Hundes, dem allgemeinen Gesundheitszustand und möglichen Begleiterkrankungen ab. Unbehandelt kann Morbus Cushing zu schweren, teilweise lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Unter medikamenteller Therapie zeigen jedoch 80–90 % der Hunde eine deutliche Besserung bis hin zur Normalisierung der Symptome. Behandelte Hunde haben in der Regel eine deutlich längere Lebenserwartung als unbehandelte Tiere.
Wann zum Tierarzt?
Wenn du bei deinem Hund mehrere der genannten Symptome beobachtest, solltest du ihn tierärztlich untersuchen lassen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können die Lebensqualität deines Hundes erheblich verbessern.