MDR1-Defekt beim Hund – Warum ein Gentest Leben retten kann

10. August 2026

Der MDR1-Defekt (auch ABCB1-Genmutation genannt) ist eine erblich bedingte genetische Veränderung, die bei einigen Hunderassen vorkommt. Hunde mit dieser Genmutation reagieren empfindlicher auf bestimmte Medikamente und einige Umweltgifte. Ursache ist eine Störung eines natürlichen Schutzmechanismus, der normalerweise verhindert, dass bestimmte Wirkstoffe ins Gehirn gelangen. Dadurch können sich diese Stoffe im zentralen Nervensystem anreichern und bereits in therapeutischen Dosierungen schwere Vergiftungserscheinungen auslösen.

Welche Hunde sind betroffen?

Der MDR1-Defekt tritt besonders häufig bei Hütehunderassen auf. Dazu gehören unter anderem:

  • Collie (Lang- und Kurzhaar)
  • Australian Shepherd
  • Miniature American Shepherd
  • Shetland Sheepdog (Sheltie)
  • Weißer Schweizer Schäferhund
  • Wäller
  • Silken Windhound
  • Longhaired Whippet

Auch Mischlinge mit Anteilen dieser Rassen können betroffen sein. Da die Genmutation vererbt wird, lässt sich das Risiko häufig nicht allein anhand des Aussehens eines Hundes erkennen.

Wie wird der MDR1-Defekt vererbt?

Jeder Hund besitzt zwei Kopien des MDR1-Gens – jeweils eine von Mutter und Vater.

  • MDR1 +/+: Der Hund trägt keine Genmutation. Es besteht keine erhöhte Empfindlichkeit.
  • MDR1 +/-: Der Hund trägt eine Genmutation. Er kann diese vererben und in Einzelfällen bereits empfindlicher auf bestimmte Medikamente reagieren.
  • MDR1 -/-: Der Hund besitzt den MDR1-Defekt und weist eine deutliche Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Wirkstoffen auf.

Welche Medikamente können problematisch sein?

Nicht jedes Medikament ist für MDR1-Hunde gefährlich. Einige Wirkstoffe können jedoch die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden und dadurch unerwünschte Wirkungen im Gehirn auslösen. Solche Medikamente sollten deshalb nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung oder gegebenenfalls gar nicht eingesetzt werden.

Dazu gehören unter anderem:

  • bestimmte Antiparasitika
  • einzelne Chemotherapeutika
  • einige Narkose- und Beruhigungsmittel

Dank moderner Arzneimittel stehen heute in vielen Fällen gut verträgliche Alternativen zur Verfügung.

Welche Symptome können auftreten?

Erhält ein betroffener Hund ein unverträgliches Medikament, können die Beschwerden unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Häufig zeigen sich zunächst Müdigkeit, Schwäche, Taumeln oder Zittern. Im weiteren Verlauf können Erbrechen, vermehrter Speichelfluss, Orientierungslosigkeit oder erweiterte Pupillen auftreten.

In schweren Fällen sind Krampfanfälle, Atemstörungen, Bewusstlosigkeit oder sogar ein lebensbedrohliches Koma möglich. Die Symptome können – je nach Wirkstoff – wenige Stunden bis mehrere Tage nach der Medikamentengabe auftreten.

Sollte Ihr Hund nach der Gabe eines Medikaments ungewöhnliche Symptome zeigen, wenden Sie sich bitte umgehend an Ihre Tierarztpraxis oder eine Tierklinik.

Der MDR1-Gentest

Ob ein Hund den MDR1-Defekt trägt, lässt sich zuverlässig mit einem Gentest feststellen. Dafür genügt in der Regel ein Backenabstrich oder eine Blutprobe. Da sich die genetische Ausstattung eines Hundes nicht verändert, muss der Test nur einmal im Leben durchgeführt werden.

Das Testergebnis ermöglicht eine sichere Planung zukünftiger Behandlungen und sollte bei jedem Tierarztbesuch angegeben werden. Gerade bei Hunden der typischen Risikorassen oder deren Mischlingen empfiehlt sich daher eine frühzeitige Testung – idealerweise bereits im Welpenalter. Auch in der Zucht kann die Untersuchung der Elterntiere dazu beitragen, die Weitergabe dieser Genmutation zu vermeiden.

Fazit

Der MDR1-Defekt ist keine Krankheit, sondern eine genetische Besonderheit, die bei der Auswahl bestimmter Medikamente berücksichtigt werden muss. Mit einem einfachen Gentest und einer individuell angepassten Medikamentenauswahl können betroffene Hunde in der Regel ein völlig normales und gesundes Leben führen.