Fallbericht: Hündin „Pepper“ – matt und mit verminderter Futteraufnahme

14. September 2026

Wenn unspezifische Symptome auf eine ernste Erkrankung hinweisen

Die knapp 7-jährige Australian-Shepherd-Hündin Pepper wurde in unserer Praxis vorgestellt, weil sie seit etwa fünf Tagen deutlich matter als sonst war und nur noch schlecht fraß. Gerade weil typische Warnzeichen fehlten, zeigt ihr Fall, wie wichtig eine gründliche Abklärung unspezifischer Beschwerden sein kann.

Vorbericht

Sechs Tage vor der Vorstellung war Pepper kurzzeitig entlaufen. Deshalb konnte zunächst auch eine Fremdkörperaufnahme nicht sicher ausgeschlossen werden. Einmalig hatte sie erbrochen, Durchfall bestand nicht.

Besonders wichtig für die weitere Diagnostik: Peppers letzte Läufigkeit lag etwa vier Wochen zurück. Hinweise auf eine Gebärmuttererkrankung waren auf den ersten Blick jedoch nicht vorhanden. Sie zeigte keinen Scheidenausfluss, kein vermehrtes Belecken der Scheide, kein auffällig gesteigertes Trinken und keinen erhöhten Harnabsatz.

Klinische Untersuchung

Bei der allgemeinen Untersuchung präsentierte sich Pepper kreislaufstabil und fieberfrei. Ihr Allgemeinzustand war insgesamt stabil. Auffällig war lediglich ein geringgradig angespanntes Abdomen. Auch bei der Untersuchung war kein Scheidenausfluss feststellbar.

Bildgebende Diagnostik

Da aufgrund des Entlaufens weiterhin eine Fremdkörperaufnahme im Raum stand, wurde zunächst eine Röntgenaufnahme des Bauchraums angefertigt. Dabei zeigte sich ein deutlicher Masseneffekt im hinteren unteren Bauchraum, insbesondere im Bereich der Gebärmutter.

Zur weiteren Abklärung erfolgte unmittelbar eine Ultraschalluntersuchung. Hier stellte sich die Gebärmutter deutlich vergrößert dar. Zusätzlich war bereits geringgradig freie Flüssigkeit im Bauchraum erkennbar. Die übrigen Bauchorgane zeigten keine wesentlichen Auffälligkeiten.

Blutuntersuchung

Auch die Blutuntersuchung unterstützte den Verdacht auf ein entzündliches Geschehen: Die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) war erhöht. In Kombination mit den bildgebenden Befunden ergab sich damit ein dringender Verdacht auf eine Erkrankung der Gebärmutter.

Therapie

Aufgrund der Befunde wurde Pepper stationär aufgenommen, zunächst stabilisiert und anschließend operiert. Die Kombination aus verändertem Uterus, freier Flüssigkeit und Entzündungszeichen machte eine rasche Behandlung erforderlich.

Heilungsverlauf

Nach der Operation brauchte Pepper noch etwas Zeit: Etwa eine Woche lang fraß sie weiterhin eher mäkelig. Ihr Allgemeinbefinden besserte sich jedoch von Tag zu Tag, sie wurde zunehmend munterer und die Operationswunde verheilte komplikationslos.

Mittlerweile ist Pepper wieder ganz die Alte und erfreut sich bester Gesundheit.

Was steckte hinter den Befunden?

Bei Pepper lag eine Pyometra – eine eitrige Gebärmutterentzündung – vor. Gerade dieser Fall zeigt, dass eine Pyometra nicht immer mit den vermeintlich typischen Symptomen wie Scheidenausfluss oder vermehrtem Trinken einhergehen muss. Insbesondere bei einer geschlossenen Form kann äußerlich zunächst wenig auffallen.

Unspezifische Veränderungen wie Mattigkeit, Appetitverlust oder Erbrechen können deshalb bei einer nicht kastrierten Hündin in den Wochen nach der Läufigkeit wichtige Warnzeichen sein.

Warum entsteht eine Pyometra?

Welche Rolle der Zyklus dabei spielt, warum die Erkrankung typischerweise in den Wochen nach der Läufigkeit auftritt und weshalb sie schnell lebensbedrohlich werden kann, erläutern wir im folgenden Beitrag zur Pyometra (Gebärmutterentzündung).

Unser Hinweis: Zeigt eine nicht kastrierte Hündin in den Wochen nach der Läufigkeit plötzlich Mattigkeit, Fressunlust oder andere ungewohnte Veränderungen, sollte dies tierärztlich abgeklärt werden – auch wenn kein Scheidenausfluss sichtbar ist.